Das Wichtigste auf einen Blick
Die kalte Jahreszeit stellt Pferde vor besondere Herausforderungen: kürzere Tage, sinkende Temperaturen und ein erhöhter Energiebedarf fordern den gesamten Organismus. Während manche Pferde den Winter robust meistern, zeigen andere Steifheit, Antriebslosigkeit oder eine erhöhte Infektanfälligkeit. Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) bietet einen ganzheitlichen Ansatz, um Pferde gezielt durch diese Zeit zu begleiten mit Akupunktur, Moxibustion und energetischer Arbeit.
In diesem Artikel erfährst du:
- warum der Winter in der TCM dem Wasser-Element zugeordnet wird und was das für dein Pferd bedeutet,
- wie du dein Pferd mit Wärme von innen und außen unterstützen kannst,
- wie Akupunktur und Moxibustion gezielt bei Winterbeschwerden helfen können und
- wie energetische Arbeit mit Chakren und Phonophorese dein Pferd zusätzlich stärken kann.
Das Leben für unsere Pferde im Winter aus Sicht der TCM
Der Winter verändert die Lebenswelt unserer Pferde auf vielen Ebenen. Die Temperaturen sinken, die Tage werden kürzer und der Körper wird energetisch stärker gefordert als in jeder anderen Jahreszeit. Viele Pferde zeigen jetzt mehr Steifheit, ein erhöhtes Ruhebedürfnis, empfindlichere Verdauung oder ein generell abgeschwächtes Immunsystem. Damit unser Pferd gesund, entspannt und in Balance durch diese Zeit kommt, können wir es gezielt unterstützen. Die Traditionelle Chinesische Medizin bietet dabei einen ganzheitlichen Blickwinkel, der Körper, Geist und Seele gleichermaßen berücksichtigt.
Interessant zu wissen: Nach dem chinesischen Kalender beginnt der Winter bereits Mitte November, etwa am 16. November, und dauert bis circa Ende Januar. Das ist deutlich früher als unser kalendarischer Winteranfang am 21. Dezember. TCM-orientierte Pferdehalter beginnen daher bereits im Spätherbst mit entsprechenden Maßnahmen zur Wintervorbereitung.
Wie wir unsere Pferde in dieser Jahreszeit gezielt mit TCM unterstützen können
In der Traditionellen Chinesischen Medizin ist der Winter der Zeit des Wasser-Elements zugeordnet. Diese Phase wird als „Das große Yin“ bezeichnet: Die Energie zieht sich nach innen, ähnlich wie Bäume ihren Saft in die Wurzeln zurückziehen. Es ist die Jahreszeit der maximalen Yin-Energie, in der die Yang-Kräfte ruhen.
Das Wasser-Element beeinflusst besonders stark:
- Rücken & Nierenregion
- Gelenke & Knochen
- Regeneration & Rückzug
- Asthma (wird in der TCM der Niere zugeordnet)
- Emotionen wie Angst oder Unsicherheit bzw. Entspannungsfähigkeit
Das Winterorgan ist die Niere, die zusammen mit der Blase den Niere-Blase-Funktionskreis bildet. Die Niere gilt als „Batterie des Lebens“ und speichert das Yin. Dieses beeinflusst die vorgeburtliche Essenz, die Vitalität, Knochen, Gelenke und das Immunsystem. Im Winter ist diese Energie besonders gefordert: Sie muss den Körper wärmen und gegen eindringende Kälte schützen. Wenn das Wasser-Element geschwächt ist, reagieren Pferde im Winter oft empfindlicher. Sie wirken steifer, verhaltener, schneller erschöpft oder körperlich unausgeglichen. Deshalb lohnt sich ein ganzheitlicher Blick darauf, wie wir Körper, Geist und Seele wieder in Balance bringen.
Wärme von innen und außen: der Nieren-Yang beim Pferd
Kälte selbst ist oft weniger das Problem, sondern Kälte kombiniert mit Nässe und Wind. Diese Faktoren entziehen dem Pferd Energie. Viele ältere Pferde oder solche, die im Winter trotz gutem Management ständig frieren, könnten zudem unter einem Nieren-Yang-Mangel leiden. Die TCM sagt dabei: Das „Ming Men“ (Tor des Lebens, eine Art Nierenfeuer) brennt zu schwach.
Wertvoll sind deshalb im Winter:
- trockene Unterstände und windgeschützte Plätze
- ein gut gepflegtes Winterfell
- eine Decke bei älteren, dünnen oder empfindlichen Pferden
- warmes Mash oder temperiertes Wasser
- Kräuter, die den Körper wärmen können (je nach Pferd individuell!)
Bewegung für Pferde fördern im Winter: sanft statt überfordernd
Der Winter bedeutet auch für unser Pferd Regeneration und Rückzug. Dennoch ist es für den Körper und auch die Psyche des Pferdes wichtig, in Bewegung zu bleiben. Regelmäßige, sanfte Bewegung hilft dabei, das Qi im Fluss zu halten und Stagnationen vorzubeugen.
Empfehlenswert für die Bewegungsförderung im Winter sind dabei:
- lange Schrittphasen
- leichtes Gymnastizieren
- Spaziergänge und Bodenarbeit
- lockeres Reiten ohne Druck
Diese Jahreszeit lädt dazu ein, zu fühlen und zuzuhören, was dein Freizeitpartner braucht. Bewegung ist der Schlüssel, um Muskulatur, Gelenke und Qi im Fluss zu halten.
TCM-Pferdeakupunktur für mehr Balance im Winter
Die Akupunktur bietet im Winter spezifische Behandlungsansätze. Besonders relevant sind wärmende Punkte, die das Nieren-Yang stärken und Blockaden lösen.
Die Akupunktur hilft Pferden im Winter besonders gut, weil sie:
- Verspannungen im Lenden- und Nierenbereich löst
- die Durchblutung verbessert
- das Immunsystem stärkt
- innere Ruhe fördert
- energetische Blockaden im Wasser-Element ausgleicht
Behandelt werden oft Punkte entlang der Blasen- und Nierenleitbahn, da sie eng mit der Winterenergie verbunden sind. Viele meiner behandelten Pferde zeigen nach einer Akupunkturbehandlung mehr Beweglichkeit, Gelassenheit und Stabilität.
Moxa (Moxibustion) beim Pferd: Wärme mit getrocknetem Beifuß
Die Moxibustion ist eine der wertvollsten Wintertherapien in der TCM. Das gilt besonders für Pferde, die auf Kälte empfindlich reagieren. Moxa verwendet getrockneten Beifuß, der nahe an Akupunkturpunkten verbrannt wird. Diese spezielle Wärme dringt tief in den Körper ein und wird als unvergleichlich mit anderen Wärmequellen beschrieben. Moxa fügt dem Körper Yang-Energie zu und „verbrennt“ überschüssiges Yin in Form von Kälte und Feuchtigkeit. Die Wärme erreicht den Körper genau dort, wo er im Winter am meisten Unterstützung braucht.
Moxa eignet sich besonders bei:
- Kälte im Rücken oder in der Nierenregion
- steifen Bewegungen
- Arthrose oder chronischen Muskelverspannungen
- schwachem Immunsystem
- chronischen Atemwegserkrankungen
- Pferden, die frösteln oder eine Qi-Schwäche haben
Energetische Wirkung von Moxa:
- erwärmt die Meridiane und löst Kälteblockaden
- stärkt die Nierenenergie (Wasser-Element)
- unterstützt die Abwehrkraft
- schenkt dem Pferd ein Gefühl von Stabilität & Geborgenheit
Energetische Arbeit im Winter: Chakrenarbeit und Phonophorese beim Pferd
Kälte, Dunkelheit und Winterenergien beeinflussen auch das feinstoffliche System des Pferdes. Die Chakrenarbeit beim Pferd arbeitet mit sieben bis acht Hauptenergiezentren entlang der Wirbelsäule.
Im Winter sind dabei folgende Energiezentren besonders betroffen:
- Wurzelchakra (Sicherheit, Stabilität)
- Sakralchakra (Lebensenergie, Geschmeidigkeit)
- Solarplexuschakra (Wärme, Kraft, Verdauung)
Mit Phonophorese arbeite ich daher gerne mit Frequenzen, die:
- tiefe Ruhe schenken
- Verspannungen lösen
- das Nervensystem ausgleichen
- das Qi (Lebensenergie) in den Fluss bringt
Methoden der Chakrenharmonisierung umfassen Farblichttherapie, sanfte Massage sowie Stimmgabeln. Diese Arbeit kann bestehende TCM-Behandlungen sinnvoll ergänzen, um emotionale Blockaden zu lösen. Gerade sensible oder nervöse Pferde profitieren im Winter enorm von energetischer Unterstützung.
Erfahrungen aus meiner Praxis als Tiertherapeutin und Pferdebesitzerin
Jeden Winter zeigen mir meine tierischen Patienten ähnliche Muster. Pferde, die im Sommer völlig im Gleichgewicht sind, reagieren im Winter sensibler, sowohl körperlich als auch energetisch. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine ganz natürliche Reaktion auf die Jahreszeit.
Meine Erfahrung zeigt:
- Pferde brauchen im Winter nicht mehr, sondern das Richtige.
- Kleine Impulse reichen oft aus, um ihre Energie wieder ins Fließen zu bringen.
- Akupunktur, Moxa und Chakrenarbeit wirken im Winter tiefer als zu jeder anderen Zeit.
- Die Kombination aus Wärme, Bewegung, energetischer Balance und feiner Beobachtung schafft wunderbare Veränderungen.
Ich liebe diese Jahreszeit, weil sie uns einlädt, unserem Pferd mit noch mehr Achtsamkeit und Vertrauen zu begegnen, um seine Bedürfnisse wirklich zu hören. Die optimale Winterbetreuung nach TCM beginnt bereits im Herbst mit prophylaktischen Behandlungen und der Stärkung der Mitte. Pferde, die präventiv behandelt werden, kommen gut durch das ganze Jahr.
Fazit: Gestalte die Winterversorgung für dein Pferd ganzheitlich
Ein vitaler Start in das Frühjahr beginnt bereits im Winter mit ganzheitlicher Fürsorge. Wenn du bewährte Routinen mit der Fünf-Elemente-Lehre der TCM verknüpfst, wird die kalte Jahreszeit für dein Pferd zu einer echten Kraftquelle. Nutze die obigen Ratschläge als Kompass, um über das Wasser-Element gezielt die Nierenenergie zu stärken. So schützt du dein Pferd nicht nur vor Steifheit, sondern schenkst ihm Vitalität und innere Ruhe für die gesamte Winterzeit.
Wenn du möchtest, dass dein Pferd im Winter entspannt, beweglich und gesund bleibt, begleite ich euch: Hier kannst du eine Akupunkturbehandlung buchen.
Oder lass uns sprechen, wenn du eine unverbindliche Beratung für die Unterstützung deines Pferdes brauchst. Meine Kontaktdaten findest du hier.
Häufig gestellte Fragen zum Thema TCM für Pferde im Winter
Wie oft sollte mein Pferd im Winter akupunktiert werden?
Die Häufigkeit hängt vom individuellen Gesundheitszustand deines Pferdes ab. Bei akuten Beschwerden empfehle ich zunächst monatliche Sitzungen während der Wintermonate. Viele meiner Patienten kommen alle 6 bis 8 Wochen zur Erhaltungstherapie, um das energetische Gleichgewicht stabil zu halten.
Kann ich Moxa auch selbst zu Hause am Pferd anwenden?
Als Alternative zur professionellen Moxibustion kannst du zu Hause Wärmeapplikationen verwenden. Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen auf dem Bai-Hui-Punkt (Kreuzbein-Lendenwirbel-Verbindung) ist eine sichere und effektive Hausanwendung. Lege ein Handtuch darunter, damit es nicht zu heiß wird, und bedecke das Ganze mit einer Decke. Die eigentliche Moxibustion mit Beifuß sollte jedoch von einem erfahrenen Therapeuten durchgeführt werden, da die korrekte Punktauswahl und Technik entscheidend für den Therapieerfolg sind.
Können TCM-Behandlungen bei Pferden im Winter mit schulmedizinischer Therapie kombiniert werden?
Ja, die TCM eignet sich hervorragend als Ergänzung zur Schulmedizin. Akupunktur und Moxibustion können parallel zu tierärztlichen Behandlungen eingesetzt werden und diese sinnvoll unterstützen. Die Forschungslage zeigt positive Ergebnisse, besonders bei Rückenschmerzen, Lahmheiten und zur Immunstärkung. Wichtig ist die Kommunikation: Informiere sowohl deinen Tierarzt als auch mich über alle laufenden Behandlungen, damit wir gemeinsam das Beste für dein Pferd erreichen können.
Quellenangaben
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